Gewerbe- und Industrieflächen

Räumlicher Bewegungsspielraum schrumpft

Kommunen (re)agieren restriktiv: Unter dem Druck, Zerschneidung und Versiegelung sowie Proteste betroffener Anwohner zu vermeiden, weisen Städte und Gemeinden immer weniger neue Gewerbe- und Industrieflächen aus.

Das zusätzliche Flächenangebot wird immer knapper. Umweltschutzregelungen sowie Abstandsvorgaben für Störfallbetriebe machen Betrieben in Gemengelagen eine Expansion kaum noch möglich. Allzu häufig lassen es Gemeinden allerdings zu, dass Wohnbebauung heranrückt und Industriestandorte auf diese Weise in eine Gemengelage geraten.

Mobilität ja, Verkehrswege nein

Schon jetzt ist der Verkehr auf dem bestehenden Netz kaum noch zu bewältigen. Und alle Prognosen gehen davon aus, dass der Verkehr – vor allem der Güterverkehr – weiter zunehmen wird. Staus und Zeitverluste sind die Folge. Handlungsbedarf besteht vor allem für das Fernstraßen- und Schienennetz. Engpässe auf Hauptachsen und an Knotenpunkten müssen beseitigt werden, Netzlücken geschlossen werden. Dafür werden Flächen benötigt. Doch der Widerstand ist häufig groß.

Nachhaltiges Flächensparen engt den Spielraum nochmals ein

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, die Neuflächeninanspruchnahme von 104ha auf 30ha pro Tag zu senken. Betroffen sind sämtliche Verkehrs- und Siedlungsflächen. Differenziert wird nicht, weder zwischen versiegelten Flächen und Grünstreifen, Gärten oder Parks, auch nicht zwischen Wohn-, Infrastruktur- und Gewerbeflächen.

Wiedernutzung – wünschenswert aber meist nicht realistisch

Bevor Neuflächen in Anspruch genommen werden, sollen Gemeinden stattdessen auf die Wiedernutzung von Brachen (Industrie, Bahn, Militär) setzen sowie Ortskerne und Stadtzentren vorrangig entwickeln. Dies ist im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie vernünftig, nur ist damit den auf Abstand angewiesenen Betrieben meist nicht gedient. Ortskerne und Stadtzentren scheiden für sie als langfristig tragfähige Standorte aus. Die Mobilisierung von Brachflächen wird teuer, wenn erst Altlasten beseitigt werden müssen. Das dürfte Investoren meist überfordern. Nutzungsänderungen führen überdies zu Bauauflagen, die sich an Neubauten orientieren. Damit werden die Kosten für die Wiedernutzung bestehender Gebäude in die Höhe getrieben, selbst dann, wenn die Umweltrisiken niedriger sind als bei der Nutzung zuvor.

Die Wirtschaft unterstützt die Bemühungen zur Nachhaltigkeit. Der sparsame Umgang mit knappen Ressourcen ist auch für Unternehmen tagtägliche Herausforderung. Doch kann nachhaltige Bodenpolitik nicht auf undifferenzierte Rationierungspolitik hinauslaufen.

 

Leitlinien für das wirtschaftspolitische Handeln:

 

Standortsicherung durch Flächenmanagement

Es mag insgesamt genügend Gewerbeflächen geben, wenn man auch auf die Flächenangebote in weniger verdichteten, ländlichen Regionen schaut. Doch ist damit den Betrieben an bestehenden, zu eng gewordenen Standorten nicht geholfen. Stärker verdichtete Kommunen müssen ein vorausschauendes Flächenmanagement betreiben, um ihren bestehenden Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Auch sollten Neuansiedlungen noch möglich sein. Die Siedlungsentwicklung muss so gesteuert werden, dass Wohnbebauung nicht zu nah heranrückt und zum Hemmschuh für die gewerbliche Nutzung wird. Das Abstandsgebot gilt auch zu Gunsten von Infrastruktur.

Kommunale Abstimmung in der Flächenpolitik

Die Siedlungsentwicklung einer Gemeinde hat häufig Konsequenzen für die Nachbargemeinde. Fehlende Abstimmung führt schnell zu Nutzungskonflikten im Bereich der Gemeindegrenzen und am Ende womöglich zur Blockade. Je stärker verdichtet ein Raum ist, umso mehr macht es Sinn, sich abzustimmen und nach kooperativen Lösungen, z.B. in Gestalt gemeinsamer Gewerbe- und Industriegebiete, zu suchen. Das Abstimmungserfordernis besteht auch bei den Verkehrsachsen, die in der Verantwortung des Bundes liegen, bei deren Bau bzw. Ausbau Gemeinden gefordert werden. Auch hier bedarf es einer stärker vorausschauenden Flächenpolitik, um Nutzungskonflikte so gering wie möglich zu halten.

Nachhaltigkeitsvorgabe darf Standorte nicht gefährden

Die Unternehmen nehmen im Bundesgebiet rund 8% der Siedlungsfläche in Anspruch. Vor diesem Hintergrund wird eine Nachhaltigkeitsvorgabe, den Flächenverbrauch drastisch zu reduzieren, dann problematisch, wenn sie insbesondere zu Lasten von Wirtschaft und Verkehr umgesetzt wird und so die Standortbedingungen für das Produzierende Gewerbe erheblich erschwert.

Flächen für unterschiedliche Nutzungen sollten nicht über einen Kamm geschoren werden. Die Flächen sind nach „Funktionalität“ für Wirtschaft und Gesellschaft zu differenzieren. So muss auch die Flächenbilanzierung untergliedert werden. Daraus sind Prioritäten abzuleiten, die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes muss weiter oben stehen.

Kontakt:
Tine Fuchs
Telefon: 030-20308-2105
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