Energienetze

Leitungen ausbauen, Versorgung sichern

Energiewende funktioniert nur mit neuen Stromleitungen: Wind- und Solarenergie ist volatil und wird oft nicht an Orten erzeugt, an denen sie gebraucht wird. Für die künftige Energieversorgung sind deshalb mehr und intelligent verzahnte Übertragungs- und Verteilnetze notwendig. Nur so können die Versorgungssicherheit und die Netzstabilität gewährleistet werden. Bereits geringe Spannungsschwankungen im Netz können in Unternehmen große Schäden hervorrufen. Derzeit werden aber nur Ausfälle über drei Minuten statistisch erfasst.

Der Bau von Stromnetzen geht zu langsam voran: Der Bau neuer Stromleitungen nimmt derzeit zehn Jahre und mehr in Anspruch. Grund sind sowohl Proteste betroffener Bürger als auch langwierige Prüfungen durch Landesbehörden. So sind von den 2009 mit dem Energieleitungsausbaugesetz als prioritär eingestuften 1.834 km erst 214 km gebaut (Stand August 2012).

Strom- und Gasversorgung sind ungenügend verzahnt: Im Februar 2012 ist Deutschland nur knapp an einem Blackout vorbeigeschrammt. Ein Grund: Gaskraftwerke mussten ihre Leistung drosseln oder den Betrieb einstellen, weil aufgrund von Infrastrukturengpässen nicht genügend Gas zur Verfügung stand.

Der EU-Energiebinnenmarkt ist noch nicht vollendet: Bis 2014 soll der europäische Binnenmarkt auch für Strom- und Gas Realität werden. Physische Voraussetzung dafür ist der Ausbau der Grenzkuppelstellen. Die europäische Verflechtung weist aber noch deutliche Lücken auf: So gibt es zum Beispiel bis heute keine Stromleitung zwischen Belgien und Deutschland.

Die Umsetzung der Energiewende setzt einen funktionierenden EU-Energiebinnenmarkt mit leistungsfähigen Infrastrukturen voraus. Daher sollte die Bundesregierung ihre Energiepolitik und insbesondere den Infrastrukturausbau in den europäischen Kontext einbetten.

Leitlinien für das wirtschaftspolitische Handeln:

 

Vorsorgungssicherheit durch Infrastrukturausbau gewährleisten

Damit die Energiewende gelingt, muss der Ausbau von Netzen, Speichern und Kraftwerken beschleunigt werden. Der Ausbau der Stromnetze muss kosteneffizient erfolgen, Übertragungsnetze unter die Erde zu legen, sollte deshalb sorgfältig geprüft werden. Die regional unterschiedlich anfallenden Kosten für den im Rahmen der Energiewende notwendigen Infrastrukturausbau und das nachfolgende Netzmanagement dürfen nicht zu Standortnachteilen führen. Um auf Probleme mit der Versorgungssicherheit reagieren zu können, sollte die Bundesnetzagentur auch Ausfälle unter drei Minuten erfassen. Mit den Prozessen zur Erstellung der Bundesbedarfspläne Netzausbau Strom und Gas sind die richtigen Schritte eingeleitet worden: Künftig wird die Bundesnetzagentur die Kompetenz für die Planfeststellung bundesländerübergreifender Strecken erhalten.

Netzausbau beschleunigen

Die enormen notwendigen Investitionen in Neubau und Instandhaltung der Netze erfordern Rechtssicherheit. Die Politik muss daher zusammen mit der Wirtschaft Informationsbarrieren abbauen und für die Akzeptanz bei den Bürgern vor Ort werben. Gleichzeitig müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Infrastrukturausbau so gestaltet werden, dass die energiepolitischen Ziele hinreichend schnell erreicht werden können.

Strom- und Gasinfrastruktur zusammen denken

Elektrische Gaskraftwerke sind das Bindeglied zwischen den beiden Energiesektoren und sind damit für die sichere Stromversorgung in manchen Regionen unabdingbar. Damit diese Kraftwerke immer ausreichend mit ihrem Brennstoff versorgt werden können, müssen die Nord-Süd-Gasleitungen ausgebaut sowie neue Gasspeicher errichtet werden.

Den EU-Energiebinnenmarkt vollenden

Ein vollendeter Energiebinnenmarkt mit ausgebauten Energienetzen zwischen den Mitgliedstaaten stärkt den Wettbewerb, verringert Versorgungsengpässe und entlastet die Verbraucher. Deshalb müssen die verschiedenen nationalen Ziele und Ausbaupläne für die Strom- und Gasinfrastruktur in die europäische Strategie eingeordnet und von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Die europäischen Zehn-Jahres-Ausbaupläne für die Infrastruktur sind der richtige Ansatz. Auch die geplante Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Projekte mit europäischer Relevanz ist ein guter Schritt und sollte rasch umgesetzt werden.
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Dr. Sebastian Bolay,
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