Breitbandnetze

Regionen an das Hochgeschwindigkeitsnetz anschließen

Grundversorgung reicht nicht: Leistungsfähige Breitbandanschlüsse sind in den letzten Jahren zu einem entscheidenden Standortfaktor für Unternehmen geworden. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die Katalysatorfunktion von Hochgeschwindigkeitsanschlüssen für Wirtschaftswachstum und Wohlstand.

Eine Breitband-Grundversorgung ist in Deutschland weitgehend realisiert. Doch auch hier wird es weiterhin z. B. topografisch bedingte Lücken geben. Die Grundversorgung mit 1 bis 2 MBit/s reicht für viele Anwendungen (z. B. Cloud Computing, IP Videokonferenzen, Big Data) schon heute nicht mehr aus.

Mobilfunk allein kann Anforderungen der Unternehmen nicht decken: Zwar bieten neue technische Entwicklungen, z. B. der neue Funkstandard LTE (Long Term Evolution), auch im Mobilfunkbereich immer höhere Bandbreiten, aber für viele Anwendungen der Unternehmen reicht allein eine mobile Anbindung nicht aus. Hier handelt es sich zudem um ein sog. Shared medium. Das bedeutet, alle Teilnehmer in einer Funkzelle müssen sich die verfügbaren Bandbreiten teilen. Eine Limitierung, die im Bereich privater Haushalte noch verträglich sein mag – im Unternehmensbereich stößt man hier schnell an Grenzen.

Unternehmen benötigen leitungsgebundene Hochleistungsnetze: Nur glasfaserbasierte Hochgeschwindigkeitsnetze bieten unabhängig von der Nutzerzahl stabile Breitbanddienste mit symmetrischen Up- und Downloadraten (mind. 50 MBit/S im Download und mind. 20 MBit/S im Upload) und können den wachsenden Bedarf insbesondere von Unternehmen decken. Doch sind zum Teil ganze Gewerbegebiete unzureichend versorgt.

Erschließung ländlicher Räume ist besondere Herausforderung: Mit einer flächendeckenden Grundversorgung holt der ländliche Raum langsam auf. Doch für die dringend notwendigen höheren Bandbreiten fehlt vielerorts das Geld. Aufgrund geringer Siedlungsdichte liegen in vielen Regionen die Kosten pro Anschluss für weitgehend glasfaserbasierte Netze bis zu viermal so hoch wie in den Städten.

Ein flächendeckender Ausbau des Landes mit Hochgeschwindigkeitsnetzen ist teuer und nur in enger Partnerschaft von Unternehmen, Bund, Ländern und Kommunen zu realisieren. Kommunen kommt eine Schlüsselrolle zu. Sie sollen die Infrastrukturaufgabe der kommenden Jahre aktiv angehen. Bund und Länder müssen sie unterstützen.

Leitlinien für das wirtschaftspolitische Handeln:

Strukturelle Voraussetzungen in den Kommunen schaffen

Es ist davon auszugehen, dass ca. zwei Drittel des Landes wirtschaftlich mit Hochleistungsnetzen ausgebaut werden können, während ein Drittel auch in absehbarer Zukunft nicht rein privatwirtschaftlich zu realisieren sein wird. Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit solcher Infrastrukturprojekte sind ausreichende Nutzerzahlen. An dieser Stelle ist vor allem das Engagement der kommunalen Gebietskörperschaften gefragt. Kommunen können dazu beitragen, den break-even-point zu erreichen, indem sie die Unternehmen bei der Bedarfserhebung unterstützen und kontinuierliche Kommunikationsarbeit leisten, die auch die betroffenen Bürger und Unternehmen einbezieht. Sie müssen zudem strukturelle und organisatorische Vorkehrungen treffen. Dazu zählen der Aufbau von Sachverstand vor Ort und die Benennung von Verantwortlichen in den Verwaltungen (z. B. fachlich kompetente Breitbandverantwortliche) – genau wie bspw. beim kommunalen Straßenbau.

 

Regionale Breitbandstrategien aufsetzen

In den Regionen und Ländern sind kommunal übergreifende Konzepte und Strategien für den stufenweisen – kurz-, mittel- und langfristigen – Ausbau der Breitbandnetze erforderlich. Gewerbegebiete müssen in jedem Fall an das Hochgeschwindigkeitsnetz angebunden sein.

Bund und Länder sind gefordert

Sie müssen das Engagement der unteren Gebietskörperschaften mit der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen unterstützen. Die Finanzierung des Netzausbaus ist ein kritischer Standortfaktor. Dort, wo sich ein Ausbau nicht wirtschaftlich darstellen lässt, können Förderinstrumente der öffentlichen Hand zum Einsatz kommen.

Breitband-Universaldienst wäre kontraproduktiv

Allein die Ankündigung einer solchen Verpflichtung würde eigene Initiativen der Kommunalverantwortlichen zum stufenweisen Breitbandausbau sofort zum Erliegen bringen. Gleichzeitig fielen für die Anbieter kleinerer Lösungen und alternativer Technologien jegliche Anreize für ein Engagement beim Breitbandausbau weg, weil ihre Investitionen in absehbarer Zeit entwertet wären.

Anwendungen der Öffentlichen Hand stimulieren Nachfrage

Bund, Länder und Kommunen kurbeln mit innovativen E-Government-Angeboten und mit der Förderung von Angeboten z. B. in den Bereichen Bildung, E-Health, und Smart Grids die Nachfrage – und damit die Zahlungsbereitschaft für schnelle Netze an.

Transparenz erhöhen, Nachhaltigkeit sichern

Zum sparsamen Einsatz öffentlicher Mittel zählt auch, dass das Vorgehen in den einzelnen Breitbandprojekten dokumentiert und anderen Akteuren als best practice oder beispielsweise komprimiert als Leitfaden für regionale Breitbandprojekte verfügbar gemacht wird.

Kontakt:
Dr. Kathrin Sobania
Telefon: 030-20308-2109
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